Freitag, 8. Mai 2026

Hunger

Dieses kleine Döschen
wegen eines bisschen Fischs,
dessen Namen, auf Makrele lautend,
gelbes Döschen nicht vergisst,
dieses Döschen ist ein leeres,
doch den Blechcontainer füllt es.
 
Ich bin heute satt geworden,
ohne Fischchen wär ich´s nicht,
ich sag Danke für das Döschen,
ich sag Danke für den Fisch,
ich sag Danke für den Hunger,
ohne ihn gäb es mich nicht.

Mittwoch, 6. Mai 2026

Was bedeutet mir Jesus?

Er ist mein Hirte.
Er nimmt mir die Angst.
Er ist mein Bruder
und liebet mich sehr.
 
Ihm vertraue ich.
Er zeigt mir den Weg.
Auf ihn baue ich.
Er schützt und stärkt mich.
 
Ich folge ihm.
Wohin?
Über die Todesschwelle
ins Himmelreich,
wie er es versprochen hat.
 
Meine Zweifel richten sich
auf die Welt,
auf das Geld
auf das, was Menschen reden.
 
Mein Glaube nährt sich
nicht von dieser Welt.
Mein Glaube ist ein Geschenk,
verpackt in Asche und Wind,
sicher ohne Ablaufdatum.
 
Aber warum ist er
für mich gestorben?
Warum dieser Tod am Kreuz?
Warum all die Kriege
wegen Dummheit, Hass und Gier?
Warum Sünde, Strafe, Schuld,
Buße, Blitz und Donner?
 
O Jesus, darf ich fragen,
ob du mir Antwort geben kannst
auf meine schlimmen Klagen?
Und wahrlich, ich hör dich sagen:

Hab keine Angst
Ich bin dein Hirte
Bleib in meiner Herde
und dir wird nichts geschehen

Ich habe keine Angst.
Mein Problem hingegen ist,
dass ich nicht schlafen kann,
solang ich keinen Abschluss finde.

Wofür, fragt Jesus,
willst du einen Abschluss finden?
Gute Frage, sag ich,
damit ich besser schlafen kann?

Samstag, 18. April 2026

Hintergrundrauschen

Was ist das Leben?
Leben ist Freude.
Leben ist Leid.
Mal schwingt das Pendel
hierhin, mal dorthin;
mal treten beide gleichzeitig auf;
dann wieder fehlen beide zugleich.
 
Liegt es an uns,
das Leiden zu lindern,
oder sind wir zur Ohnmacht verdammt?
Freude vermehren gelingt frohen Kindern;
ist ihnen der Sinn des Lebens bekannt?
 
Was ist das Leben?
Was ist der Sinn?
Wo liegt der Sinn von Freude und Leid?
Wo liegt der Sinn, Macht und Ohnmacht zu fühlen?
Hat uns die Sinnlosigkeit überrannt?
 
Leben ist Freude.
Leben ist Leid.
Mal schwingt das Pendel
hierhin, mal dorthin.
Diesem ständigen Hintergrundrauschen
dichten wir schöne Töne an.

Freitag, 7. November 2025

Das kannst du besser

Das kannst du besser! 
Sagt wer? 
Das kannst du besser, sagt der Vater. 
Ich sage: Ich weiß. 
Das kannst du besser, sagt die Mutter. 
Ich sage: Du genauso. 
Das kannst du besser, sagt die Schwester. 
Leck mich, sage ich.

Das kannst du besser, sagt meine Frau. 
Ich sage: Ich liebe dich auch. 
Das kannst du besser, sagt der Lehrer. 
Nicht nötig, sage ich. 
Das könnt ihr besser, sagt der Kanzler. 
Wir lachen. 
Das könnt ihr besser, sagt der Papst. 
Wenn Gott will, sage ich.

Das kannst du besser, sagt das Gesicht im Spiegel. 
Will ich das hören, frage ich. 
Das kannst du besser, 
sagt die Ameise, die über das Blatt wandert, 
auf das ich gerade schreibe. 
Ihr allein will ich glauben.

Samstag, 4. Oktober 2025

Der Apfel

Mitten in der Nacht wachte ich auf und hatte Angst. Ich hatte übel geträumt. In meinem Traum ging es darum, dass ich verfolgt wurde. Es waren Tiere, die mich verfolgten, klein und zahlreich. Waren es giftige Spinnen? Aggressive Ameisen? Hungrige Skorpione? Das wusste ich nicht mehr. Ich wollte fliehen, davonrennen, und kam nicht vom Fleck. Dann bin ich aufgewacht. In mir pulsierte eine glühende Angst.
Was machst du jetzt, fragte ich mich. Ich stand auf, ging aufs Klo, trank einen Schluck Wasser, aß ein Stück Schokolade und legte mich wieder ins Bett. Doch die Angst steckte mir unverändert in den Gliedern.
Ich musste an die weltpolitische Lage denken. Alles wird eskalieren, dachte ich. Auf jede Drohung wird eine stärkere Drohung folgen, Aufrüstung wird mit Aufrüstung beantwortet und bald wird ein verheerender Krieg losbrechen, der alles, was die Welt bisher gesehen hat, in den Schatten stellt. 
Ich atmete schwer. Das tiefe Ein- und Ausatmen verschaffte mir keine Erleichterung. Die Angst umklammerte meine Brust wie ein Korsett aus Metall, das mich zu ersticken drohte. Ich atmete gegen den Tod an.
Dann kam mir ein Bild in den Sinn. Ich sah einen Apfel im freien Fall. Ich wusste sofort, der Apfel bin ich, und die Angst ist der drohende Aufprall. Und dann sah ich, wie der Apfel von einer Wasserfontäne aufgefangen wurde. Schließlich wippte der Apfel auf dem Wasserstrahl auf und ab und langsam verschwand die Angst.
Der drohende Krieg gewann seine Normalität zurück. Ich wusste, ich kann diesen Krieg nicht verhindern. Vielleicht kann ich ohne Angst sterben, dachte ich. Ich schloss die Augen und nährte den Wasserstrahl mit meinem Atem. Ich sah einen riesigen Apfel durchs All gleiten. In dieser Sekunde drückte in weiter Ferne ein todkranker General auf einen roten Knopf.

Dienstag, 24. Juni 2025

Kann es eine Menschheit ohne Kriege geben?

Lieber Gott, Vater unser im Himmel, ich frage dich: Kann es eine Menschheit ohne Kriege geben?

Ich kann mir vorstellen, dass du dir eine Menschheit ohne Kriege nicht vorstellen kannst. Dabei wäre genau das die Voraussetzung für eine Menschheit ohne Kriege: Dass Menschen damit beginnen, sich eine Menschheit ohne Kriege vorzustellen.

Eine Voraussetzung dafür, dass niemand einen Krieg beginnt, wäre Gerechtigkeit. Aber was ist gerecht?

Ich kann mir vorstellen, dass es unmöglich ist, Lösungen zu finden, mit denen alle Menschen zufrieden sind.

Nur weil nicht alle zufrieden sind, muss es Kriege geben?

Ja. So kann man das ausdrücken.

Der Grund für Kriege liegt also in der Unzufriedenheit.

Richtig. Und an dem Glauben, der Grund für die eigene Unzufriedenheit liege bei den anderen.

Aber die Welt ist ungerecht. Das ist eine objektive Tatsache!

Der Weg zu mehr Gerechtigkeit ist aber möglich. Auch das ist eine objektive Tatsache.

Und warum schaffen wir uns keine gerechtere Welt?

Weil der Wille dazu fehlt?

Der Wille der Kriegsparteien besteht aber darin, ihr selbst definiertes Recht mit Gewalt durchzusetzen.

Recht und Gerechtigkeit sind eben nicht dasselbe.

Wir könnten den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit am Verhandlungstisch diskutieren. Warum passiert das nicht?

Weil der Wille dazu fehlt?

Ich weiß nicht. Es wird ja diskutiert, aber ohne befriedigendes Ergebnis. Irgendwann platzt irgendjemandem der Kragen und plötzlich wird geschossen und geschlachtet. Erst wenn genug Blut geflossen ist, setzt man sich wieder an den Verhandlungstisch.

Du sagst es: Menschen diskutieren ohne befriedigendes Ergebnis.

Weil Menschen falsch diskutieren? Oder weil es befriedigende Ergebnisse einfach nicht gibt?

Verhandeln will gelernt sein. Das Befriedigende muss gesucht werden. Menschen könnten noch vieles lernen. Fehlende Möglichkeiten sind nicht das Problem. Der Mensch ist das Problem.

Ich bin ein Mensch. Bin ich ein Problem?

Du hast menschliche Gefühle. Denk an deine Ungeduld, an dein Gefühl, nicht genug gehört zu werden, an dein Gefühl, nicht verstanden zu werden.

Du hast recht. Ich kann versuchen, geduldiger und zufriedener zu werden. Ich kann mich damit abfinden, dass es Kriege gibt, dass es keine Antwort auf die Frage gibt, ob eine Menschheit ohne Kriege möglich ist.

Und es gibt noch vieles, was du lernen kannst.

Stimmt. Lernen kann man immer. Auch wenn es Kriege gibt.

Kannst du dir eine Menschheit ohne Kriege vorstellen?

Mein Bild vom Zustand der Welt hängt von den Medien ab: vom Fernsehen, vom Internet, von den Zeitungen. Die Menschen, mit denen ich persönlich zu tun habe, führen keine Kriege. Manches erlebe ich als ungerecht, aber die Menschen in meiner Umgebung reden und verhandeln miteinander. Ich kann mir ein friedliches Miteinander besser vorstellen als einen Machthaber, der seinen Soldaten den Befehl zum Angriff erteilt. Ich finde schon Machtstrukturen, Armeen und den globalen Waffenhandel unglaublich. Ja, der Friede kann nicht vom Himmel fallen. Aber Tatsache ist, dass Kriege umfassend vorbereitet und angebahnt werden. Der Befehl zum Angriff ist nur der logische Abschluss von unzähligen vorangegangenen Schritten.

Der Mensch ist das Problem.

Ich bin ein Mensch. Bin ich ein Problem?

Du sagst: Der Friede kann nicht vom Himmel fallen. Woher kann der Friede dann kommen?

Ich frage dich: Was kann ich tun?

Wenn du mich fragst: Kümmere dich um die Kunst der Kommunikation.

Sonntag, 8. Juni 2025

Mittlere Führungsebene

Am Stuhlbein eines Arschlochs sägen,
kann viel befriedigender sein,
als seinen Dreck nach unten fegen.