Dienstag, 26. Mai 2026

Das Gute Leben - Eine ökonomische Dichtung - Erster Gesang: Der Ruf

Der Ruf

Heute, da die Welt so eng vernetzt ist
und dennoch neu in Stücke bricht,
erhebt sich die Frage mit brennender Kraft:
Was das Gute Leben ist – und was nicht.

Im Grenzland donnern Putins Kanoniere,
in Gaza fällt der Schatten Netanjahus schwer.
Doch fern der Front, wo arbeitsame Hände
Geschoße produzieren, lacht man umso mehr.

Die Waffen schmieden Gold aus jedem Schlag,
die Kassen schwellen an, wo Gräber sich vermehren.
Der Krieg ernährt die Reichen, die ihn klug verlängern,
und Wohlstand wächst auf Kosten fremder Asche.

Handel wird blockiert durch neue Zölle,
Wirtschaftskriege toben folgenschwer,
Algorithmen und Sanktionen
machen Spekulanten reich im Nu.

Ökonomen führen offenen Kriege,
Wachstum gegen starre Grenzen,
Liberal statt starkem Staat –
Gleichgewicht nur auf Papier.

Die Christen schulden dieser Welt drei Dinge:
Einheit im Geist, ohne Mauern im Kopf;
die scharfe ökonomische Analyse und Einsicht;
die offene Versöhnung mit Andersgläubigen.

Schon Thomas von Aquin rang mit der alten Wahrheit
vom strengen Zinsverbot – Jahrtausende alt –
von Propheten und Patriarchen verkündet:
Geld an sich ist und bleibt unfruchtbar.

Thomas prüfte diese Wahrheit genau.
Doch statt sie unversehrt zu hüten,
suchte er klug einen gangbaren Weg,
den Zins vom Wucher zu unterscheiden.

Damit gab er dem Wachstum
seinen christlichen Segen –
und öffnete die Tür, durch die schon bald
der Siegeszug des Mammons begann.

Jesus sieht es sich an und fragt:
Thomas, mein treuer Diener der Vernunft,
warum hast du dem Wolf ein Halsband aus feinen Worten umgelegt?
Warum hast du versucht, dem Mammon und Gott zugleich zu dienen?

Und Thomas antwortet, mit gesenktem Haupt, doch fester Stimme:
„Herr, ich sah die Not der Kaufleute und aufstrebenden Städte.
Ich sah, wie das Geld Arbeit und Fortschritt beflügelt.
Ich wollte nicht, dass die Kirche als Feindin des Fortschritts gilt.“

Jesus blickt ihn mit tiefer Liebe an,
um dann unerbittlich klar zu sagen:
Thomas, du hast die Not der Reichen gesehen,
doch nicht die der Bauern, Frauen und Kinder.

Aus deinem Kompromiss erwuchsen Vermögen –
und mit ihnen große Stiftungen.
Doch siehe: Es gibt auch das raffende Geld.
Nur das dienende Geld hilft den Armen.

Was ist zu wenig, um gut zu leben?
Was ist genug, um frei zu sein?
Was ist zu viel für Vermögende selbst,
sodass ihr Geld sie zu Sklaven macht?

Du lehrtest klug, Eigentum müsse privat sein,
damit der Mensch es sorgsam verwalte.
Doch der Gebrauch der Güter bleibe gemein –
für Leidende, Fremde und Schwache.

Wie aber wird der Reichtum begrenzt,
damit er nicht endlos zu Mammon wird,
genügt das Gebot zur Barmherzigkeit?
Genügen Almosen, Gaben und Spenden?

Im Erbrecht sorgt der Vater für die Seinen,
doch bleibt er Verwalter, nicht absoluter Herr.
Auch Stiftungen und Körperschaften bleiben gebunden
ans Allgemeinwohl, nicht an das der Bevorzugten.

Doch heute kennt das Geld weder Pflicht noch Moral,
es ist durch Algorithmen darauf trainiert,
sich selbst unablässig als Geld zu vermehren –
eine klare moralische Entscheidung gegen Gott.

Könnten Algorithmen dem Willen Gottes dienen?
Ja, wenn sie als Werkzeuge der Gerechtigkeit geschaffen,
nein, wenn sie zum Diener der Gier verkommen sind.
Wer den Code zum Götzen macht, opfert göttliches Gesetz.

Darum müssen die mächtigen Menschen
die Scham und die Liebe wiederentdecken.
Sie müssen den Massen den Mut verschaffen,
den Botschaften der Werbespots zu entsagen,

statt sich an Neid und Konsum zu ketten.
Die Armen aber soll man bloß nähren,
mit Brot und Almosen Tag für Tag?
Es gibt Sozialpädagog*innen für sie,
 
doch diese lehren das Überleben mit knapper Kasse.
Wer zeigt den Armen, mit genug Geld weise umzugehen?
Wer lehrt sie, Vermögen aufzubauen und zu bewahren?
Und wo liegt die Grenze der Barmherzigkeit,
 
wenn der Wille zur Veränderung fehlt?
Ein Alkoholiker wird nicht trocken,
wenn er das selbst nicht schaffen will.
Nicht jede Armut ist Schicksal, aber oft wird sie geerbt.
 
Der Sozialstaat stößt an seine Grenzen.
Barmherzigkeit ohne Wahrheit verliert ihren Wert.
Die dienende Stiftung schafft Glaubwürdigkeit,
nicht nur zum Trost, nein, zur Befähigung.
 
Sie schafft Orte der Barmherzigkeit,
wo die Arme zur Schöpferin wird.
Der raffende Mammon jedoch hält klein,
sollen die Armen doch bleiben, wo sie sind.
 
Wahrhaft christlich ist, wer die Armen befähigt,
selbst groß zu werden – nach Gottes Bild.
Was als Schutz der Person begann,
wurde zum Fundament der Ungerechtigkeit.
 
Die Kirche segnete Zins und Eigentum.
Was würde Jesus heute dazu sagen?
Das Geld des einen ist die Schuld des anderen.
Echter Wohlstand entsteht nicht durch Geld allein,
 
sondern durch Liebe, Zeit und Beziehung,
durch Kunst, Bildung und dienendes Tun.
Doch warum will Gott unser Opfer?
Das kostbarste Menschenopfer gar?
 
Und wer opfert hier wen, und warum genau?
Warum nur, o Gott, warum?
Aus jenem ersten Blut auf kaltem Stein
wurde ein kalter Code, der alles frisst.
 
Und Jesus fragt betroffen:
Was opfert ihr da, ohne es zu merken?
 
Welch grausames Drama die Welt hier erduldet,
dass das Unschuldigste geopfert werden muss?
Diese Frage brennt wie Feuer in unserer Brust
und quält die Gläubigen genauso wie die Zweifler.

Donnerstag, 21. Mai 2026

Unterscheidung

Demagogen fördern Hass und Hetze
Demokraten ringen um Gerechtigkeit
Autokraten suchen Macht und Ego
Künstler*innen schaffen Schönes
Neo-Nazis poltern laut und zornig
Andere bemerken leise, mit Bedacht.
Was sich am Ende durchsetzt,
ist schon lange kein Geheimnis:
Die Knallerei der Egomanen ist es nicht.

Freitag, 8. Mai 2026

Hunger

Dieses kleine Döschen
wegen eines bisschen Fischs,
dessen Namen, auf Makrele lautend,
gelbes Döschen nicht vergisst,
dieses Döschen ist ein leeres,
doch den Blechcontainer füllt es.
 
Ich bin heute satt geworden,
ohne Fischchen wär ich´s nicht,
ich sag Danke für das Döschen,
ich sag Danke für den Fisch,
ich sag Danke für den Hunger,
ohne ihn gäb es mich nicht.

Mittwoch, 6. Mai 2026

Was bedeutet mir Jesus?

Er ist mein Hirte.
Er nimmt mir die Angst.
Er ist mein Bruder
und liebet mich sehr.
 
Ihm vertraue ich.
Er zeigt mir den Weg.
Auf ihn baue ich.
Er schützt und stärkt mich.
 
Ich folge ihm.
Wohin?
Über die Todesschwelle
ins Himmelreich,
wie er es versprochen hat.
 
Meine Zweifel richten sich
auf die Welt,
auf das Geld,
auf das, was Menschen reden.
 
Mein Glaube nährt sich
nicht von dieser Welt.
Mein Glaube ist ein Geschenk,
verpackt in Asche und Wind,
sicher ohne Ablaufdatum.
 
Aber warum ist er
für mich gestorben?
Warum dieser Tod am Kreuz?
Warum all die Kriege
wegen Dummheit, Hass und Gier?
Warum Sünde, Strafe, Schuld,
Buße, Blitz und Donner?
 
O Jesus, darf ich fragen,
ob du mir Antwort geben kannst
auf meine schlimmen Klagen?
Und wahrlich, ich hör dich sagen:

Hab keine Angst
Ich bin dein Hirte
Bleib in meiner Herde
und dir wird nichts geschehen

Ich habe keine Angst.
Mein Problem hingegen ist,
dass ich nicht schlafen kann,
solang ich keinen Abschluss finde.

Wofür, fragt Jesus,
willst du einen Abschluss finden?
Gute Frage, sag ich,
damit ich besser schlafen kann?