Samstag, 3. Oktober 2026
Meine Frage an Franziskus
Montag, 22. Juni 2026
Überzeugungsarbeit – eine strategische Skizze für Die Linke
Die Linke muss eine neue soziale Gruppe schaffen, die sich darauf einigt, dass zuerst die wachsende Verteilungsungleichheit gestoppt wird. Diese neue soziale Gruppe geht über eine einzige „Klasse“ hinaus. Sie umfasst Arbeiter·innen und Angestellte, Unternehmer·innen von Klein- und Mittelbetrieben, Religiöse und Nicht-Religiöse, Schüler·innen und Pensionist·innen, Stadtindianer, Landeier und Teile des Globalen Südens im Rahmen einer internationalen, aber nicht grenzenlosen Solidarität und Geschwisterlichkeit. Was diese Menschen eint, ist der eine Wunsch nach mehr Gerechtigkeit: Würde, Sicherheit und Teilhabe für alle, die an einem gemeinsamen Ort ihren Beitrag leisten. Natürliche Gegner dieser neuen sozialen Gruppe wären all jene, die die Verteilungsungleichheit beibehalten oder vergrößern wollen.
Die Linke muss es schaffen, eine Verbindung von materieller Umverteilung mit einer neuen Erzählung von Zugehörigkeit herzustellen. Zentrale Themen dabei müssen sein: Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich (finanziert durch Besteuerung von: Maschinenarbeit, KI-generierter Arbeit, Spitzeneinkommen, Kapitalerträgen, Spekulationsgewinnen, Finanztransaktionen), öffentliche Dienstleistungen, öffentliche Infrastruktur, leistbares Wohnen.
Zugehörigkeit ist auch, aber nicht nur von materieller bzw. kultureller Identität abhängig. Zugehörigkeit ist vor allem auch ein Menschenrecht und wer dagegenhandelt, verletzt dieses Recht. Der Staat muss daher ein Verbündeter der neuen sozialen Gruppe sein, er muss weiters handlungsfähig bleiben und er muss sich gegen Neoliberalismus, Oligarchie, Plutokratie, Autokratie und jede Art der Elitenherrschaft wenden. Die Funktionär·innen staatlicher Institutionen müssen Diener·innen des Gemeinwohls werden. Das Gemeinwohl wird in öffentlichen Debatten ermittelt. Es gibt klare Regeln. Wer sich nicht an die Regeln hält, darf nicht mitspielen.
Dienstag, 26. Mai 2026
Das Gute Leben - Eine ökonomische Dichtung - Erster Gesang: Der Ruf
Der Ruf
Heute, da die Welt so eng vernetzt ist
und dennoch neu in Stücke bricht,
erhebt sich die Frage mit brennender Kraft:
Was das Gute Leben ist – und was nicht.
Im Grenzland donnern Putins Kanoniere,
in Gaza fällt der Schatten Netanjahus schwer.
Doch fern der Front, wo arbeitsame Hände
Geschoße produzieren, lacht man umso mehr.
Die Waffen schmieden Gold aus jedem Schlag,
die Kassen schwellen an, wo Gräber sich vermehren.
Der Krieg ernährt die Reichen, die ihn klug verlängern,
und Wohlstand wächst auf Kosten fremder Asche.
Handel wird blockiert durch neue Zölle,
Wirtschaftskriege toben folgenschwer,
Algorithmen und Sanktionen
machen Spekulanten reich im Nu.
Ökonomen führen offenen Kriege,
Wachstum gegen starre Grenzen,
Liberal statt starkem Staat –
Gleichgewicht nur auf Papier.
Die Christen schulden dieser Welt drei Dinge:
Einheit im Geist, ohne Mauern im Kopf;
die scharfe ökonomische Analyse und Einsicht;
die offene Versöhnung mit Andersgläubigen.
Schon Thomas von Aquin rang mit der alten Wahrheit
vom strengen Zinsverbot – Jahrtausende alt –
von Propheten und Patriarchen verkündet:
Geld an sich ist und bleibt unfruchtbar.
Thomas prüfte diese Wahrheit genau.
Doch statt sie unversehrt zu hüten,
suchte er klug einen gangbaren Weg,
den Zins vom Wucher zu unterscheiden.
Damit gab er dem Wachstum
seinen christlichen Segen –
und öffnete die Tür, durch die schon bald
der Siegeszug des Mammons begann.
Und Thomas antwortet, mit gesenktem Haupt, doch fester
Stimme:
„Herr, ich sah die Not der Kaufleute und aufstrebenden Städte.
Ich sah, wie das Geld Arbeit und Fortschritt beflügelt.
Ich wollte nicht, dass die Kirche als Feindin des Fortschritts gilt.“
Jesus blickt ihn mit tiefer Liebe an,
um dann unerbittlich klar zu sagen:
Thomas, du hast die Not der Reichen gesehen,
doch nicht die der Bauern, Frauen und Kinder.
Aus deinem Kompromiss erwuchsen Vermögen –
und mit ihnen große Stiftungen.
Doch siehe: Es gibt auch das raffende Geld.
Nur das dienende Geld hilft den Armen.
Du lehrtest klug, Eigentum müsse privat sein,
damit der Mensch es sorgsam verwalte.
Doch der Gebrauch der Güter bleibe gemein –
für Leidende, Fremde und Schwache.
Im Erbrecht sorgt der Vater für die Seinen,
doch bleibt er Verwalter, nicht absoluter Herr.
Auch Stiftungen und Körperschaften bleiben gebunden
ans Allgemeinwohl, nicht an das der Bevorzugten.
Doch heute kennt das Geld weder Pflicht noch Moral,
es ist durch Algorithmen darauf trainiert,
sich selbst unablässig als Geld zu vermehren –
eine klare moralische Entscheidung gegen Gott.
Könnten Algorithmen dem Willen Gottes dienen?
Ja, wenn sie als Werkzeuge der Gerechtigkeit geschaffen,
nein, wenn sie zum Diener der Gier verkommen sind.
Wer den Code zum Götzen macht, opfert göttliches Gesetz.
Darum müssen die mächtigen Menschen
die Scham und die Liebe wiederentdecken.
Sie müssen den Massen den Mut verschaffen,
den Botschaften der Werbespots zu entsagen,
