Montag, 25. Juli 2022

Am Ende

Ich will schreiben
Ich will für mich schreiben
Nicht für andere
Was ich sagen will?
Ich will sagen, dass das Ende offen ist
Ich weiß nicht, wer ich am Ende sein werde
Zwar werde ich denselben Namen tragen
Und meine Schuhgröße wird unverändert sein
Aber nicht einmal das ist sicher
Mein Name könnte mir genommen worden und
Meine Füße könnten abhandengekommen sein
Ohne Namen und ohne Füße käme ich rasch
Zum Ende

Aber nicht einmal das ist sicher
Ich könnte mir einen neuen Namen andichten
Und Wurzeln schlagen
Ich könnte die Welt zu mir kommen lassen
Oder von ihr vergessen werden
Unterdessen rückt das Ende des Tages näher
Mein Zeitfenster schließt sich
Die Sonne fällt hinter den Horizont
Und die Welt verliert ihr Gewicht
Am Ende werde ich zum Baum
Ich lege meinen alten Namen ab und
Meine Füße verschwinden unter einer Decke

Samstag, 2. Juli 2022

Der Wunsch nach Klarheit

Mich treibt der Wunsch nach Klarheit
in die Nacht hinaus
Ich stochere im Nebel
der unsere Welt umhüllt

Erklärungen und Schriften
nennen Formeln und Gesetze
und das Geschehen da draußen
spuckt mich ratlos fragend aus

Mein Gedankenorganismus
bäumt sich zu Fragesätzen auf
Ist das oberste Gesetz der Welt
der Zwang zu Konkurrenz und Krieg?

Warum will das Universum
endlos expandieren?
Warum will die Gier nach Macht
den Wunsch nach Klarheit korrumpieren?

Ich stochere im Nebel
der unsere Welt umhüllt
und sehe, dass die kühle Nacht
den Wunsch nach Klarheit nicht erfüllt

Donnerstag, 16. Juni 2022

Drei Fragen zur Realität

Was wäre ein Skeptiker ohne Idealismus?
Was wäre ein Idealist ohne Welt?
Was wäre die Welt ohne Ironie?
 
Die Welt wäre beherrscht
von rechnenden Nutzenmaximierern.

Donnerstag, 12. Mai 2022

Losungen

Anarchie - macht euch unabhängig und haltet die Regeln ein
Kunst - lernt die Regeln und brecht sie behutsam
Religion - studiert Geschichte aus allen Perspektiven
Zuversicht - Gottes Plan wird gelingen

Montag, 25. April 2022

allmählich

das mensch macht
mit sich selbst
was ihm ältere
einst angetan

offen ist ob
das angetane das
mensch besser oder
schlecher macht

und offen ist
ob das mensch
die jüngeren allmählich
lassen kann

Samstag, 12. März 2022

Die Probe

Der Teufel tritt vor Gott hin und schlägt IHM vor, die Menschen wieder einmal auf die Probe zu stellen.

HERR, sagt der Teufel, DU hast den Kosmos in all seiner Pracht geschaffen - und die Menschen arbeiten daran, sich selbst und alles Leben auf der Erde auszulöschen. Meinst DU nicht, wir sollten ihnen wieder einmal eine kleine Lektion erteilen, bevor es zu spät ist?

Ja, sagt der HERR, du hast recht. Was schlägst du vor?

Es gibt da in Russland, sagt der Teufel, einen Ober-Autokraten, der sich von den Demokraten bedroht fühlt. Wie wäre es, wenn DU diesem Mann in Moskau im Traum erscheinen und ihm zuflüstern würdest, dass er in sein Nachbarland einmarschieren soll?

Das könnte ich schon tun, spricht der HERR, nur weiß ich nicht, was das bringen soll.

Wir könnten dann, antwortet der Teufel, mit ansehen, wie die Menschen mit dieser Bedrohung umgehen. Wir wissen doch beide, dass sich trotz Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Klimakrise, Missbrauchskrise und Pandemie kaum etwas geändert hat. Wir wissen beide, dass der Mensch die Fehler des anderen viel deutlicher sieht als die eigenen. Und wir wissen, dass dem einzelnen Menschen jede Erzählung recht ist, die den eigenen Standpunkt untermauert, egal, wie abstrus diese Erzählung auch sein mag.

Da hast du wohl recht, sagt der HERR, aber wenn dieser Mann in Moskau seine Truppen ins Nachbarland schicken sollte, dann hätten wir keine Krise, dann hätten wir Krieg.

Eben, argumentiert der Teufel, Krisen helfen nicht. Erst wenn der Krieg tobt, ist der Mensch zum Lernen bereit.

Und wenn er nicht lernt, erwidert der HERR, ist er tot.

Genau, sagt der Teufel, lernen oder sterben, das ist hier die Frage.

Gott überlegt eine Weile. Gut, sagt ER dann, wir können diese Probe durchführen - unter einer Bedingung.

Welche, fragt der Teufel.

Dass du, antwortet der HERR, diesem Mann in Moskau im Traum erscheinst.

Das wird nicht funktionieren, sagt der Teufel. Er wird mich als Teufel erkennen und meinen Einflüsterungen widerstehen. Auch der Mann in Moskau will als Held dastehen und nicht als Bösewicht. DU hast die Menschen so geschaffen, HERR, sagt der Teufel.

Da gerät Gott ins Grübeln. Wollte ER nicht für das Gute in der Schöpfung sorgen? Konnte es zum Guten führen, wenn ER einen Krieg anzettelte? Gott entschließt sich dazu, dem Mann in Moskau im Traum zu erscheinen. ER flüstert ihm zu, er solle den Krieg in seinem Nachbarland beenden.

Da lacht sich der Teufel ins Fäustchen. Wieder einmal hat er den HERRN ausgetrickst.

Doch der Teufel hat seine Rechnung ohne den HERRN gemacht. Gott erscheint zeitgleich den Demokraten im Traum und fordert auch sie auf, den Krieg zu beenden. Und weil die Demokraten dem Autokraten in Moskau zahlenmäßig überlegen sind, brauchen sie für ihre Entscheidungen etwas länger.

Montag, 7. März 2022

Gott und Geld

Die Schöpfung, die Natur und das Leben sind Geschenke Gottes an uns.
Wir haben uns die Götter nach unseren eigenen Vorstellungen geschaffen und ihnen Opfer dargebracht, um sie gnädig zu stimmen. Wir sind dabei vom Menschenopfer über das Tier- und Pflanzenopfer bis zur Opferung von Edelmetallen übergegangen. Schließlich haben wir die den Göttern geweihten Edelmetalle geliehen, um damit unsere Armeen zu finanzieren. Daraus entstand eine Schuld. Wir mussten den Göttern diese Schuld mit Zinsen zurückzahlen, um unser Gewissen zu beruhigen. Dennoch entstand die Angst, unsere Götter könnten nicht genug bekommen. Deshalb haben wir die Gier nach immer mehr Gold entwickelt.
Dieses Gold - und später von der Münze bis zur Krytowährung alles Geld - verlangt nach einer Deckung. Diese Deckung ist eine Art Rückversicherung, eine Bestätigung dafür, dass das Geld etwas "wert" ist. Die perverseste Form dieser Bestätigung ist der Krieg. Im Krieg wird deutlich, wovon unser Geld ursprünglich abstammt: vom Opfer.
Nun frage ich: Ist Krieg das Opfer, das Gott von uns erwartet? Natürlich nicht.
Warum gibt es dann Kriege? Meine Antwort: Weil wir das Wesen des Geldes (noch) nicht verstanden haben.