Samstag, 29. Januar 2022

Komm

Das Leben will bewegen,
erheitern und erregen,
sagt das Kind
Und wie soll ich heiter leben
in Alter, Schmerz und Tod?

Setze dem Alter den Leichtsinn,
dem Schmerz deinen Eigensinn
und dem Tod nur Unsinn entgegen,
sagt das Kind
Komm, süßer Tod, sage ich,
erlöse mich von der Schwerkraft
 
Das Kind will spielen,
ich will den Sinn verstehen
Komm, süßes Leben,
sagt das Kind, erlöse mich
von allen trüben Gedanken

Sonntag, 2. Januar 2022

Die Bäumin

Hab heute im Wald
einen Baum gesehn
oder besser: eine Bäumin

Ihren Namen hat sie mir nicht gesagt,
sie hat mir ihr Geschlecht gezeigt,
da bin ich zu ihr hin gestapft
 
Hab ihren Stamm umschlungen
und ihr ins Ohr gesungen,
da hat sie tief und fest vibriert

Morgen will ich wiederkommen
mit einer vollen Blase
und ihr Geschlecht begießen

Montag, 20. Dezember 2021

Wohin ich mich entwickeln will

Ich weiß nicht, was ich in fünf oder zehn Jahren brauche, um dann mit mir und meinem Leben zufrieden zu sein. Mir geht es um die Zufriedenheit heute, um die Achtsamkeit, die Geduld und die Dankbarkeit in diesem Moment. Es gibt Dinge, die ich tun will, und solche, die ich nicht tun will. Wenn ich heute die Dinge tue, die ich tun will, dann bin ich in fünf oder zehn Jahren ganz von selbst dort, wo ich dann sein will. Ich muss jetzt nicht wissen, wo das sein wird. Ich will keine Angst vor dem Unbekannten haben. Ich will mein Schicksal dankbar annehmen. 
Das Erreichen eines Ziels ist nicht mein Ding – aus vielen Gründen. Doch: Wenn ich zum Beispiel Gitarre übe, brauche ich einen Grund. Wenn ich mich zu einer Arbeit motivieren will, brauche ich ein Motiv. Der Lohn für die Mühe kann die Freude sein. Die Freude liegt für mich im Schönen, im Kreativen, im Tiefsinnigen, im Zarten, im Zärtlichen, im Liebevollen. Reicht mir das Wissen, dass ich vor allem die Freude will? 
Lieber will ich das Mögliche erreichen als am Unmöglichen scheitern. Doch das Scheitern soll möglich bleiben, denn ich will auch die Leichtigkeit beim Tun. Zwar würde ich, wenn ich könnte, die Welt aus den Angeln heben wollen, doch darauf muss ich verzichten. Denn hier wäre das Scheitern gewiss. Ich will mich mit dem Unvollkommenen zufrieden geben. Ich will das Unvollkommene schön finden. Und ich will das Schöne für mich und andere. Die Freude kommt von selbst, wenn das Schöne die Angst überwindet. Das gilt heute genauso wie in fünf oder zehn Jahren.

Sonntag, 19. Dezember 2021

Gretchenfrage 14

Warum hat Jesus die Jünger nicht seinen Samen trinken lassen?

Samstag, 18. Dezember 2021

Glaubenskrise

In Mk 10,17-31 wird die Geschichte einer gescheiterten Berufung erzählt. Jesus sagt zu dem reichen Mann: Geh und verkaufe, was du hast, gib es den Armen. Gott wird es dir danken. Und dann komm und folge mir. Der Reiche aber wurde traurig über Jesu Wort und ging gekränkt weg. Offensichtlich hat Jesus den reichen Mann überfordert. Hätte es nicht genügt, wenn der Reiche 30% seines Vermögens an die Armen verteilt hätte?
Jesus fragt nicht, wie der Mann reich geworden ist. Hat der Reiche andere Menschen übervorteilt? Oder hat er durch ehrliche Arbeit Wohlstand geschaffen und andere daran teilhaben lassen? Jesus war kein Ökonom. Kann er nicht gewesen sein, weil die Ökonomik erst - sagen wir - mit dem Heiligen Thomas von Aquin beginnt. Dies gilt es im Hinterkopf zu behalten, wenn wir das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden (Lk 19,11-27) lesen. Da ist von Geld, Banken und Zinsen die Rede. Das sind ökonomische Begriffe. Aber Jesus war kein Ökonom. Er musste nicht "nachhaltig" denken, stand für ihn das Gottesreich doch unmittelbar bevor.
Ich behaupte: Der Mensch lebt nicht von Gottes Wort allein. Der Mensch hat auch materielle Bedürfnisse. Ein Künstler braucht - neben Nahrung und Kleidung - Materialien, um seine Kunst zur Ehre Gottes zu schaffen. Was soll ein Organist ohne Orgel? Was soll ein Maler ohne Farben? Was soll ein Autor ohne Schreibwerkzeug? Hatte Jesus das auf dem Schirm?
Und nun zum Geist des Kapitalismus: Hat sich die christliche Glaubensgemeinschaft je ernsthaft mit den Werken von Max Weber, Karl Marx, Karl Polanyi oder John Maynard Keynes auseinandergesetzt? Wenn ja, wo ist dann zu hören oder zu lesen, wie Christ*innen über die Herrschaft des Geldes denken? Wenn nein, was würde Jesus zu diesem Versäumnis sagen?

Freitag, 17. Dezember 2021

Warnung an die Christ*innen

Das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden (Lk 19,11-27) ist eine Warnung. Warum ist das wichtig?
Als einzige Religion des Altertums verhängte die jüdische Religion (innerhalb der eigenen Gemeinschaft) ein Zinsverbot (siehe Ex 22,24-26, Lev 25,35-37 und Deut 23,20).
Was Jesus wirklich sagen will: Wer mit einem ausbeuterischen System kooperiert, kann nicht ins Himmelreich kommen. Wer das Richtige tut und nicht mit dem ausbeuterischen System kooperiert, muss mit der Bestrafung durch das ausbeuterische System rechnen.
Das heute herrschende Geldsystem ist ein Moloch. Das gottgefällige Opfer besteht darin, auf alle Zinsen zu verzichten, Schulden zu erlassen und jede Handlung zu verweigern, die nicht dem friedlichen Zusammenleben der Menschen dient.

Appell an die NATO

Raus aus der Eskalationsspirale!
Für einen Neuanfang im Verhältnis zu Russland!
Schreiben Sie den Status quo fest!
Setzen Sie sich an den Konferenztisch!
Keine weiteren Truppenbewegungen ohne Vorbedingung!
Vereinbaren Sie ein Verhandlungsziel!
Keine weiteren Mitgliedschaften (weder in der NATO noch in der EU)!
Vergessen Sie die "Osterweiterung"!
Akzeptieren Sie ein Kräftegleichgewicht und üben Sie Respekt und Selbstkritik!
Kümmern Sie sich um ehemalige Kindersoldaten und zahlen Sie Entschädigung für begangene Fehler!
Kümmern Sie sich um Abrüstung und einen globalen und gerechten Frieden!